Info Gesundheit - Genetik 3: Harlekin,
sein oder nicht sein? |
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Es wurde lange angenommen, dass die Farbe Schwarz-weiss-gefleckt (oder Harlekin), sowie die Farbe Grautiger, ausschliesslich durch das Merle-Gen verursacht wurde. Es gab keine Theorie, und noch weniger einen Beweis, der den Unterschied zwischen beiden Farbe erklären konnte...es schien als seien diese zwei Farben ausschliesslich eine Laune der Natur, aber diese "Laune" ist zu präsent und zu reproduzierbar, um reiner Zufall zu sein! In
der tat ist das Merle-Gen
die Grundvoraussetzung für ein schwarz-weiss-geflecktes Haarkleid, und
wurde schon von
Little (1957)
1 beschrieben. Dennoch
reicht das Allel M des Merle-Genes alleine nicht aus, um ein
schwarz-weiss-geflecktes Haarkleid zu erhalten: es bedarf ebenfalls der
Präsenz des Allels
H des Harlequin-Genes (Sponenberg
19851,
O’Sullivan, Robinson 19892).
Dieses Gen ist ein Modifikator
des Merle-Genes,
denn alleine kann es keinen sichtbaren Effekt im Haarkleid verursachen,
aber in Zusammenwirkung mit dem Allel M, verändert es die schon
verdünnte Grundfarbe zu Weiss!
Wir merken uns also, dass jeder Harlequin einen heterozygoten Genotypen bezüglich der Gene M und H hat, also den Genotypen MmHh. Diese zwangsweise Heterozygotie des Harlekins bedingt, dass es unmöglich eine "reine" Zuchtlinie herauszuarbeiten, aus der nur Harlekins hervorgehen würden. Da bei jeder Befruchtung die Allele beider Eltern durchmischt werden, und diese in der Harlekinzucht heterozygot sind (zumindest einer beider Elternteile), können wir bei den Nachkomme die Spannweite der 3 oder 4 Phänotypen (Harlekin, Grautiger, Schwarz, Weiss) wiederfinden, bedingt durch die Durchmischung der Allele H und h, M und m (siehe unten, die Kreuzungstabellen). Aus diesem Grunde finde ich persönlich, es unverständlich, dass der Grautiger als Farbe nicht anerkannt wird. Diese Farbe wird vom Standard nicht anerkannt, wird nicht zur Zucht zugelassen (bis auf wenige Ausnahmen mit Sondergenehmigung), und manche Züchter lassen sich daraufhin dazu treiben, Grautiger sofort nach der Geburt einzuschläfern, was weder ethisch, noch aus tierschützerischen Gründen vertretbar ist! Grautiger sind gewiss keine Bereicherung für die Zucht, aber wenn man Schwarz-Weiss-Gefleckte züchten will, muss man wohl den Grautiger ebenfalls als vollwertige Dogge anerkennen, und ihn nicht als "Fehlfarbe" abwerten! Grautiger sind nicht das Ergebnis einer nicht-zugelassenen Kreuzung zweier unpassenden Farbschläge, sondern ihr Auftreten ist ganz einfach unvermeidlich in der regulären Harlekinzucht. Ein anderer Punkt, den ich in diesem Kontext noch ansprechen möchte, ist die Augenfarbe: die zufallsbedingte Verteilung des Farbpigmentes bei einem Hund mit dem Allel M betrifft sowohl das Haarkleid, als auch die Augen. Das Vorkommen von blauen Augen ist also nicht genetisch festgelegt, sondern zufallsbedingt sobald das Allel M vorhanden ist. Daher ist es auch nicht sinnvoll dieses Kriterium positiv oder negativ zu bewerten, denn er hat keine Aussagekraft darüber, ob die Nachkommen blaue Augen haben werden oder nicht. Es ist mir also ebenfalls unverständlich, dass manche Richterurteile schlechter ausfallen, aus dem einzigen Grunde, dass der Hund blaue Augen hat! Es sei hier erwähnt, dass der Rassestandard blaue Augen beim Harlekin zulässt...
Es
sei darauf
hingewiesen, dass die angegebene quantitative Farbverteilung einer
Kreuzung rein statistisch ist, und nur auf eine sehr grosse Anzahl von
Nachkommen zutrifft. Die Realität bezogen auf einen einzelnen Wurf kann
entschieden anders ausfallen. Die
Zucht
Schwarz-Weiss-gefleckter Doggen stellt eine grosse ethische
Verantwortung dar: man muss mit Allelen handhaben, die im homozygoten
Zustand letal bezüglich des Harlekingenes (HH) sind, und
subletal für das Merle-Gen (MM). Alle Doggen mit
dem Genotyp HH und 50% der Doggen mit Genotyp MM
sterben im Embryonalstadium. Die Homozygoten MM
die lebend geboren werden,
können diverse Missbildungen aufweisen, vor allem solche des
Nervensystems. Dies erklärt sich z.T. dadurch, dass die Nervenzellen
und die pigmentbildenden Zellen, die Melanozyten, ihren embryonalen
Ursprung beide im Neuralrohr finden. Dabei ist es einfach die Homozygotie MM zu vermeiden: es reicht die Harlekine nicht miteinander zu verpaaren, sondern ihnen systematisch einen schwarzen Zuchtpartner auszusuchen. Letzterer kann kein Träger des Allels M sein, so kann auch trotz Anpaarung mit einem Harlekin kein homozygoter Welpe bezüglich dieses Allels geboren werden. Es scheint mir weder vernünftig, noch verantwortlich das Risiko eventuell behinderter Welpen einzugehen, nur um die statistischen Chancen auf Schwarz-Weiss-Gefleckte in einem Wurf zu erhöhen. Die Verpaarung zwischen Gefleckten ist übrigens vom DDC nicht zugelassen (DDC = Deutscher Doggenclub, das deutsche Pendant zum DCF = Doggen Club de France). Davon abgesehen, dass Grautiger vom Standard nicht anerkannt werden, und somit auch keine Zuchtzulassung bekommen, ist es natürlich klar, dass Ihre Vermehrung dieselben Risiken birgt, wie die Vermehrung von Harlekinen, da sie ja alle Träger des Allels M sind. Ihre Integration in der Zucht würde also die gleichen Risiken bergen, ohne aber den Vorteil des Harlekins ein Allel H zu tragen und vererben zu können. Dies ist der Grund weshalb ich weiter oben erwähnte, dass meiner Meinung nach Grautiger für die Zucht nicht interessant sind. Und schon gar nicht, solange der Grautiger nicht als vollwertige Dogge anerkannt wird. Piebald...die falschen Harlekine Das
Piebald-Gen
oder
"random spotting" ist durch zwei co-dominante Allele vertreten: Alle Deutschen Doggen, die homozygot SS sind, sind "einfarbig", bis auf kleine weisse Abzeichen an Brust und Zehen. Die Melanozyten wandern vom Neuralrohr in alle Körperbereiche: da Brust und Zehen am weitesten entfernt sind, ist die Melanozyteneinwanderung in diesen Bereichen manchmal unvollständig. Diese weissen Abzeichen stehen also nicht im Zusammenhang mit dem Piebald-Gen oder irgend einem anderen Farbgen, sie sind zufallsbedingt und absolut nicht genetisch festgelegt. Deutsche Doggen, die heterozygot Ss sind, haben mehr Weiss, als homozygoyt SS, aber weniger als homozygot ss: sie haben ein Haarkleid, das zum grossen Teil pigmentiert ist, mit weissen Stellen limitierten Ausmasses. Sie können der Manteldogge ("true irish" dessen Gen auf einem anderen Chromosom liegt) sehr ähneln, unterscheiden sich aber genetisch, und werden auch "pseudo-irish" genannt. Die homozygot ss-Doggen haben ein vorwiegend weisses Haarkleid: sie können Ähnlichkeit mit Harlekinen oder Homozygot MM haben, unterscheiden sich aber genetisch von diesen. In einigen Veröffentlichungen wird das Allel s als "random spotting" bezeichnet, um zu betonen wie zufallsbedingt die Pigmentierung des Haarkleides ist, wenn mindestens ein Allel s im Genotyp vorhanden ist. Andere Autoren wählen die Bezeichnung des codierten Proteins und einer Mutation, die durch das Allel s verursacht wird: MITF («Microphthalmia Transcription Factor»)-SINE (short interspersed nucleotide element) . Um das Verständnis zu vereinfachen, werden hier als "Piebald" die Doggen bezeichnet, die mindestens ein Allel s vorweisen. Piebalds
sind schwierig zu erkennen, und mit Gewissheit von Harlekinen oder
Manteldoggen zu unterscheiden. Einige Hinweise gibt es jedoch:
Diese Zeichen sind aber inkonstant und unzuverlässig, da auch Kombinationen möglich sind: ein homozygoter ss Piebald kann auch Träger des Allels H des Harlekin-Genes sein, aber dies wird phänotypisch nicht zu erkennen sein. Es kann auch ein echter Harlekin gleichzeitig heterozygot auf dem Locus s sein: HhMmSs. Dieser Genotyp führt zur Zunahme von Weiss im Haarkleid, verglichen zum Genotyp HhMmSS. Da die "Mode" heutzutage Harlekine mit vordringlich Weiss bevorzugt, führt das dazu, dass das Piebald-Gen immer weiter verbreitet wird. Ein Harlekin mit viel Schwarz ist mit grösserer Wahrscheinlichkeit kein Träger des Piebald-Allels s und führt somit nicht zu seiner Verbreitung. Das
Piebald-Allel s ist mit mehreren Problemen behaftet: sein Vorkommen im
Genotyp, sei es absichtlich oder ungewollt, kann das Vorkommen
unvorhersehbarer Weisszeichnung bedingen. Es erhöht das Risiko
"genetischer Verwirrung" in den geplanten Würfen, und trägt zum
Aberglauben bei, dass die Farbvererbung eine unkontrollierbare
Wisenschaft sei, da die Vermehrung eines fehlidentifizierten Piebalds,
der für einen Harlekin oder eine Manteldogge gehalten wird,
zwangsläufig überraschende Nachkommen liefert, dessen Auftritt
unlogisch erscheinen kann.
Generell kann man also folgern, dass ein Piebald aus der Zucht ausgeschlossen werden sollte, sobald er eindeutig als solcher identifiziert wurde. Demzufolge müssten auch die Eltern eines homozygoten Piebalds aus der Zucht genommen werden, da der Welpe den Beweis liefert, dass seine beiden Eltern mindestens ein Piebald-Allel s tragen. Quellen, die für diese Zusammenfassung und die vorhergehenden Genetik-Seiten dienten: 1 C.C.Little (1957). The inheritance of coat color in Dogs. Comstock, Ithaca, NY 2 D.Phillip Sponenberg
(1985). Inheritance
of the harlequin colour in Great dane dogs.The Journal of
Heredity 76:
224-225 S.M.Schmutz, T.G.Berryere (2007). Genes affecting coat color and pattern in domestic dogs: a review. Animal Genetics 38: 539-549 S.M.Schmutz, J.S.Moker, T.G.Berryere, K.M.Christison (2001). A SNP is used to map MC1R on dog chromosome 5. Animal genetics 32: 43-44 L.A.Clark, A.N.Starr, K.L.Tsai, K.E.Murphy (2008). Genome-wide linkage scan localizes the harlequin locus in the Great Dane to chromosome 9. Gene 418: 49-52 S.M.Scmutz: http://homepage.usask.ca/~schmutz/dogspots.html http://www.chromadane.com/whites.htmhttp://www.chromadane.com/piebald%203.htm http://www.chromadane.com/HarlFamilyColor.htm http://www.chromadane.com/standardcoat.htm |
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