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Info Gesundheit - Knochen- und Gelenkserkrankungen des jungen Hundes
© Dr. vet. med. Françoise Sachdé

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Eine Lahmheit kann jederzeit auftreten, ohne dass es gleich etwas Schlimmes sein muss: es reicht, dass der Hund sich vertritt, ein Gelenk verstaucht oder einfach nur überbelastet. Allerdings sind grosswüchsige Hunde, wie die Deutsche Dogge, im Wachstum besonders empfindlich und können ganz spezifische Erkrankungen des Bewegungsapparates entwickeln. Sollte Ihre junge Dogge einmal stark lahmen, oder diese Lahmheit trotz Ruhigstellung bestehen bleiben, ist es ratsam tierärztlichen Rat einzuholen!
Hier folgt eine kleine Auflistung der häufigsten Knochen-und Gelenkerkrankungen, die im Wachstum auftreten können:

1) Osteochondrosis dissecans (=OCD)
Es handelt sich hier um eine Erkrankung des Gelenkknorpels, vor allem des Schultergelenkes, aber es können auch Hüfte, Knie oder das Ellenbogengelenk* betroffen sein. Der Knorpel bedeckt die gesamte Gelenkoberfläche und dient als Schutz für die unter ihm liegenden knöchernen Bereiche des Gelenkes. Er stellt in etwa den Stossdämpfer des Gelenkes dar. Ist das Knorpelgewebe schlecht versorgt, wird es brüchig und es kann passieren, dass eine Knorpelschuppe sich abhebt oder gar vollständig ablöst. Dies ist für den Hund ein äusserst schmerzhafter Zustand und es muss gehandelt werden. Wenngleich wenige harmlose Fälle mit strenger Ruhigstellung ausheilen können, wird es in der Mehrheit aller Fälle notwendig sein chirurgisch einzugreifen. Die OCD tritt durchschnittlich im Alter von 4-12 Monaten auf.
(* siehe 3: Ellenbogendysplasie)

2) Hüftgelenksdysplasie (=HD)
Die Hüftgelenksdysplasie ist zu einem Anteil genetisch veranlagt und kann sich bei Hunden ab einem Alter von 4 Monaten bemerkbar machen. Es handelt sich hier um eine Dysharmonie - ein nicht richtiges Zusammenpassen - von der Gelenkpfanne (dem Acetabulum) und dem Oberschenkelkopf (Femurkopf): der Femurkopf soll rund
, regelmässig und mit glatter Oberfläche sein, und sich so tief wie möglich im Acetabulum einbetten. Wenn die Gelenkpfanne nicht tief genug ausgebildet ist, sondern im Gegenteil eine abgeflachte Form aufweist, oder der Femurkopf eine fehlerhafte Form hat, resultiert daraus eine Instabilität des Hüftgelenkes, die mit Schmerzen verbunden ist, und später zu degenerativ-arthrotischen Veränderungen des Gelenkes führt. Die ersten Symptome bestehen meist in einem wackeligen Bewegungsablauf der Hinterhand, oder der Hund hüpft "hasenartig" mit den Hinterläufen. Manchmal hat er Schwierigkeiten aufzustehen und es folgen bald Schmerzen und Lahmheit. Um eine HD diagnostizieren zu können, ist eine Röntgenaufnahme in Vollnarkose unumgänglich. Es existiert leider keine wirkliche Behandlung dieser Erkrankung, so dass meist auf Entzündungshemmer und Chondroprotektoren (Glucosamin, Chondroïtin-Sulphat, Hyaluronsäure als knorpelaufbauende Unterstützung) zurückgegriffen wird um den Schmerz zu kontrollieren. In schlimmen Fällen hilft nur noch eine Hüftprothese. Es gibt zwar noch weitere operative Methoden der HD-Behandlung, aber diese kommen bei der Deutsche Dogge auf Grund ihrer Grösse und ihres Gewichtes nicht in Frage.

3) Ellenbogendysplasie
Unter diesen Oberbegriff fasst man 4 verschiedene Erkrankungen des Ellenbogengelenkes zusammen
-> die Osteochondrosis dissecans des Ellenbogens: ein Knorpelfragment hebt sich ab, oder löst sich vollständig von der Knorpelschicht und verursacht Schmerz und Lahmheit
-> isolierter Processus anconeus : ein kleines Fragment der Ulna (Elle) konsolidiert sich nicht und wächst nicht richtig zusammen mit dem Rest des Knochens. Dies verursacht Schmerzen und kann künftige Arthrose bedingen. Die Röntgendiagnose kann ab dem 5. Lebensmonat gestellt werden. 
-> Frakturierter Processus coronoideus: ein knöchernes Fragment des Radius (Speiche) splittert ab und beschädigt die Knorpelfläche des Radius (Oberarmknochen). Diese Problem tritt am häufigsten im Alter zwischen 4 und 7 Monaten auf und ist genetisch veranlagt.
-> Inkongruenz des Ellenbogengelenkes: das Gelenk ist unregelmässig ausgeformt, so dass es zu nicht-physiologischen Reibungskräften kommt, die eine Gelenksentzündung und Schmerzen verursachen.
Die Diagnose dieser Ellenbogenkrankheiten erfolgt immer durch Röntgen. Einige können operativ korrigiert werden, wenn nicht schon erhebliche arthrotische Veränderungen vorliegen.
isolierter processus anconeus Ellenbogengelenk

4) Panostitis Eosinophilica
Die Panostitis ist eine spontan auftretende Entzündung der langen Röhrenknochen, und tritt meist im Alter von 6-18 Monaten auf. Sie äussert sich in einer Lahmheit, die sowohl leicht wie auch streng sein kann, und einen zyklisch-wiederkehrenden Charakter haben kann. Meist ist die Palpation der betroffenen Knochen schmerzhaft, und die Verdachtsdiagnose wird durch eine Röntgenaufnahme bestätigt werden können, auf der röntgendichte Verschattungen im Markraum der Knochen zu sehen sind. Man beobachtet oft eine spontane Heilung, der häufig Rückfälle folgen, und dies bis zum Abschluss des Wachstums. Eine entzündungshemmende Therapie hilft die Schmerzen zu kontrollieren.

5) Hypertrophe Osteodystrophie (=HOD)
Es handelt sich hier um eine äusserst schmerzhafte Entzündung der Wachstumsfugen der langen Röhrenknochen. Die HOD tritt häufig im Alter von 2 bis 6 Monaten auf, und kann in einem zyklischen Verlauf bis zum Ende des Wachstums bestehen bleiben. Betroffene Hunde haben Fieber, sind stark abgeschlagen, haben einen schlechten Appetit und geschwollene Gelenke. In manchen Fällen kann sich der Welpe überhaupt nicht mehr fortbewegen. Die Behandlung besteht in der Verabreichung von Entzündungshemmern, aber in schlimmen Fällen können die Gelenke lebenslang geschädigt und verformt bleiben.