Eine
Lahmheit kann jederzeit auftreten, ohne dass es gleich etwas Schlimmes
sein muss: es reicht, dass der Hund sich vertritt, ein Gelenk
verstaucht oder einfach nur überbelastet. Allerdings sind grosswüchsige
Hunde, wie die Deutsche Dogge, im Wachstum besonders empfindlich und
können ganz spezifische Erkrankungen des Bewegungsapparates entwickeln.
Sollte Ihre junge Dogge einmal stark lahmen, oder diese Lahmheit trotz
Ruhigstellung bestehen bleiben, ist es ratsam tierärztlichen Rat
einzuholen!
Hier folgt eine kleine Auflistung der häufigsten Knochen-und
Gelenkerkrankungen, die im Wachstum auftreten können:
1) Osteochondrosis
dissecans (=OCD)
Es
handelt sich hier um eine Erkrankung des Gelenkknorpels, vor allem des
Schultergelenkes, aber es können auch Hüfte, Knie oder das
Ellenbogengelenk* betroffen sein. Der Knorpel bedeckt die gesamte
Gelenkoberfläche und dient als Schutz für die unter ihm liegenden
knöchernen Bereiche des Gelenkes. Er stellt in etwa den Stossdämpfer
des Gelenkes dar. Ist das Knorpelgewebe schlecht versorgt, wird es
brüchig und es kann passieren, dass eine Knorpelschuppe sich abhebt
oder gar vollständig ablöst. Dies ist für den Hund ein äusserst
schmerzhafter Zustand und es muss gehandelt werden. Wenngleich wenige
harmlose Fälle mit strenger Ruhigstellung ausheilen können, wird es in
der Mehrheit aller Fälle notwendig sein chirurgisch einzugreifen. Die
OCD tritt durchschnittlich im Alter von 4-12 Monaten auf.
(* siehe 3: Ellenbogendysplasie)
2) Hüftgelenksdysplasie
(=HD)
Die
Hüftgelenksdysplasie ist zu einem Anteil genetisch veranlagt und kann
sich bei Hunden ab einem Alter von 4 Monaten bemerkbar machen. Es
handelt sich hier um eine Dysharmonie - ein nicht richtiges
Zusammenpassen - von der Gelenkpfanne (dem Acetabulum) und dem
Oberschenkelkopf (Femurkopf): der Femurkopf soll rund,
regelmässig und mit glatter Oberfläche sein, und sich so tief wie
möglich im Acetabulum einbetten. Wenn die Gelenkpfanne nicht tief genug
ausgebildet ist, sondern im Gegenteil eine abgeflachte Form aufweist,
oder der Femurkopf eine fehlerhafte Form hat, resultiert daraus eine
Instabilität des Hüftgelenkes, die mit Schmerzen verbunden ist, und
später zu degenerativ-arthrotischen Veränderungen des Gelenkes führt.
Die ersten Symptome bestehen meist in einem wackeligen Bewegungsablauf
der Hinterhand, oder der Hund hüpft "hasenartig" mit den Hinterläufen.
Manchmal hat er Schwierigkeiten aufzustehen und es folgen bald
Schmerzen und Lahmheit. Um eine HD diagnostizieren zu können, ist eine
Röntgenaufnahme in Vollnarkose unumgänglich. Es existiert leider keine
wirkliche Behandlung dieser Erkrankung, so dass meist auf
Entzündungshemmer und Chondroprotektoren (Glucosamin,
Chondroïtin-Sulphat, Hyaluronsäure als knorpelaufbauende Unterstützung)
zurückgegriffen wird um den Schmerz zu kontrollieren. In schlimmen
Fällen hilft nur noch eine Hüftprothese. Es gibt zwar noch weitere
operative Methoden der HD-Behandlung, aber diese kommen bei der
Deutsche Dogge auf Grund ihrer Grösse und ihres Gewichtes nicht in
Frage.
3) Ellenbogendysplasie
Unter diesen Oberbegriff fasst man 4 verschiedene Erkrankungen des
Ellenbogengelenkes zusammen
-> die Osteochondrosis dissecans des Ellenbogens: ein
Knorpelfragment hebt sich ab, oder löst sich vollständig von der
Knorpelschicht und verursacht Schmerz und Lahmheit
-> isolierter Processus anconeus : ein kleines Fragment
der
Ulna (Elle) konsolidiert sich nicht und wächst nicht richtig zusammen
mit dem Rest des Knochens. Dies verursacht Schmerzen und kann künftige
Arthrose bedingen. Die Röntgendiagnose kann ab dem 5. Lebensmonat
gestellt werden.
-> Frakturierter Processus coronoideus: ein knöchernes Fragment
des
Radius (Speiche) splittert ab und beschädigt die Knorpelfläche des
Radius (Oberarmknochen). Diese Problem tritt am häufigsten im Alter
zwischen 4 und 7 Monaten auf und ist genetisch veranlagt.
-> Inkongruenz des Ellenbogengelenkes: das Gelenk ist
unregelmässig
ausgeformt, so dass es zu nicht-physiologischen Reibungskräften kommt,
die eine Gelenksentzündung und Schmerzen verursachen.
Die
Diagnose dieser Ellenbogenkrankheiten erfolgt immer durch Röntgen.
Einige können operativ korrigiert werden, wenn nicht schon erhebliche
arthrotische Veränderungen vorliegen.
 |
 |
4) Panostitis Eosinophilica
Die
Panostitis ist eine spontan auftretende Entzündung der langen
Röhrenknochen, und tritt meist im Alter von 6-18 Monaten auf. Sie
äussert sich in einer Lahmheit, die sowohl leicht wie auch streng sein
kann,
und einen zyklisch-wiederkehrenden Charakter haben kann. Meist ist die
Palpation der betroffenen Knochen schmerzhaft, und die
Verdachtsdiagnose wird durch eine Röntgenaufnahme bestätigt werden
können, auf der röntgendichte Verschattungen im Markraum der Knochen zu
sehen sind. Man beobachtet oft eine spontane Heilung, der häufig
Rückfälle folgen, und dies bis zum Abschluss des Wachstums. Eine
entzündungshemmende Therapie hilft die Schmerzen zu kontrollieren.
5) Hypertrophe
Osteodystrophie (=HOD)
Es
handelt sich hier um eine äusserst schmerzhafte Entzündung der
Wachstumsfugen der langen Röhrenknochen. Die HOD tritt häufig im Alter
von 2 bis 6 Monaten auf, und kann in einem zyklischen Verlauf bis zum
Ende des Wachstums bestehen bleiben. Betroffene Hunde haben Fieber,
sind stark abgeschlagen, haben einen schlechten Appetit und
geschwollene Gelenke. In manchen Fällen kann sich der Welpe überhaupt
nicht mehr fortbewegen. Die Behandlung besteht in der Verabreichung von
Entzündungshemmern, aber in schlimmen Fällen können die Gelenke
lebenslang geschädigt und verformt bleiben.
|
|